Ausstellung
In den Arkaden der Propststraße ist ein Ort entstanden, der dem großen Sohn der Stadt und ihrem 80. Ehrenbürger, dem Maler, Zeichner und Fotografen Heinrich Rudolf Zille und seinem Werk gewidmet ist. „Pinselheinrich“ nannten ihn nicht alle seine Zeitgenossen unbedingt liebevoll, sondern manche auch eher schmählich. Denn Zilles Bilder, Fotos und Zeichnungen stemmten sich kraftvoll gegen den Wilhelminischen Zeitgeist, dessen massive Industrialisierung, Urbanisie-rung und soziale Verelendung schließlich in zwei Weltkriegen endete.
Doch Heinrich Zilles Pinsel waren nie weich und flauschig. Im Gegenteil. Er führte eine Feder, die weitaus spitzer war als jedes Dragonerbajonett seiner Zeit. Und er führte sie treffsicher, schnell und elegant noch bis zu seinem Tod 1929.
Heinrich Zille wurde am 10. Januar 1858 in Radeburg bei Dresden geboren. Er entstammte einer sozial unterprivilegierten Familie. Nach mehrfachen Umzügen im Raum Dresden und in ernsten finanziellen Schwierigkeiten kam die Familie 1867 nach Berlin, wo Zilles Vater, ein Schmied und Mechaniker, in der aufstrebenden Industriestadt bei Siemens & Halske ein Auskommen fand. Zille erlernte den Beruf eines Lithographen und arbeitete später bis 1908 als hoch qualifizierter Tief-drucker bei der renommierten „Photographischen Gesellschaft“. Hier kam er mit den seinerzeit mo-dernsten Reproduktions- und Drucktechniken in Berührung, zu deren Weiterentwicklung er beitrug. Vor diesem Hintergrund entstand um 1900 sein fotografisches und druckgrafisches Werk, in dem expe-rimentelle Techniken und ein von eigenen Erfahrungen geschärfter Blick auf das Leben der damaligen „Unterschichten“ Bilder hervorbrachten, die alsbald die Aufmerksamkeit liberaler Künstlerkreise im wilhelminischen Berlin erregten.
[cool-timeline layout=“compact“ animation=“fade-up“ date-format=“Y“ icons=“NO“ show-posts=“20″ skin=“clean“ order=“ASC“ story-content=“full“]